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Bolivien Geisha

Details
Aroma:Intensive Jasminnoten, Aromen von tropischen Früchten und einem Hauch von Aprikose, voller Körper, langer Abgang
Geröstet für:Filter
Land:Bolivien
Region:Nor Yungas
Anbauhöhe:1'800 m ü. M.
Produzent:Munaipata, Finca Shanti
Art:Coffea Arabica
Varietäten:Geisha
Qualität:Mehrfach Handverlesen
Aufbereitung:Voll gewaschen
Ernte:2023
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Ausverkauft
CHF 8.50

Bolivien – ein Abenteuer!

Im Newsletter von Anfangs 2022 berichtete ich, dass René Brugger, ein Urner Bolivienauswanderer, von seiner Finca ein unglaubliches Kaffeemuster der Varietät “Geisha” schickte, welches mich mit seinen intensiven floralen Aromen so begeisterte, dass ich sofort einen Flug nach Bolivien buchte!

Strasse oder Wanderweg?
René war schon am Flughafen, als ich rund anderthalb Tage später glücklich auf 3600 m. ü. Meer in La Paz ankam.

Gemeinsam fuhren wir mit seinem klapprigen Jeep die nächsten 2.5 Stunden Richtung Coroico, wo auf ca. 1’800 m. ü. M. seine kleine Finca liegt.

Die Strasse der Ruta Nacional 3 fing ganz ordentlich an, wurde dann immer kurviger und prekärer, bis die Strasse zu einer Schotterpiste und dann immer mehr einem Wanderweg glich. Wohlgemerkt, das sind Bergstrassen, und auf der Talseite ging es ziemlich steil ins Tal runter. Die bekannte Todesstrasse führt hier in unmittelbarer Nähe durch, dann und wann dachte ich, wir seien auf dieser unterwegs. Es war wohl mein Glück, dass schlechtes Wetter war und ich nur dann und wann die tiefen Täler sah.

Auf Renés Finca
Ziemlich durchgeschüttelt, müde aber heil kamen wir auf René’s Finca Shanti an. Seit rund 10 Jahren baut er nicht nur selbst Kaffee an, sondern hat auch ein kleines Netzwerk mit Kaffee-Produzenten aufgebaut, als Alternative zum weit verbreiteten Coca-Anbau. Im Sinne eines Entwicklungsprojekt gründete er zusammen mit den Kaffeebauern als selbständige Mitinhaber das Unternehmen Munaipata Café de Altura S.A. Die Unternehmensform erlaubt den über 30 lokalen Campesinos das Firmenschicksal mitzugestalten. René betont, dass sie mit biologisch angebauten Spitzenkaffee und viel sorgfältiger Handarbeit etwas Edles schaffen wollen, Kaffee, der in der Tasse einen spürhaften Mehrwert hat. In den nächsten Tagen wollen wir einige Produzenten besuchen. Doch zuerst führt mich René auf seiner Finca herum. Sie ist sehr gut eingerichtet, so kann er hier nicht nur die frisch gepflückten Kaffeekirschen verarbeiten sondern hat auch eine Röstmaschine und ein kleines Café.

Auf seiner Finca kann neben Zitrusbäumen auch gleich Kaffee geröstet werden, was ich ausgerüstet mit einer Themperaturpistole und unter Anleitung von Rösterin Pasquale natürlich gerne ausprobierte.

Als ich ein paar Stunden später in meinem Bett lag und dem Regen zu hörte, fühlte ich mich sehr glücklich und auch privilegiert, dass ich hier sein darf und freute mich sehr auf die kommenden Tage.

Auf Abwegen

Es war schon hell und die Luft noch ganz feucht, als ich am nächsten Morgen wieder auf Renés Veranda stand. Die üppige und unberührte Natur rund um uns herum und die ruhige Stille Atmosphäre sind einfach fantastisch. Wir wollen in den nächsten Tagen einige Kaffee-Produzenten besuchen, steigen in Renés Geländewagen und fahren los. Es hat stark geregnet in der Nacht und die Strassen, welche hier meistens nicht geteert oder betoniert sind, sind sehr nass. Etwa nach 10 Minuten Fahrt steht plötzlich ein Bagger vor uns, die Hälfte der Strasse dahinter ist abgerutscht. Nach einigem Hin und Her entschliesst sich René, auf dem bisschen Strasse, was noch übrig ist, weiter zu fahren. Ich fand das nicht so eine tolle Idee, es erschien mir einfach zu gefährlich. Was, wenn dieser klägliche Rest auch noch abrutscht?

Reisen kann in Bolivien sehr abenteuerlich sein. Nach einem starken Regenfall muss die Strasse wieder in Stand gesetzt werden.

Sehr vorsichtig schafften wir diese Passage dann doch, und unsere Reise konnte weitergehen. Schlussendlich kamen wir viel später als geplant bei Felipe an.

Ich hörte auf der scheinbar menschenleeren Finca irgendwoher ein Transistorradio tschäppern bis ich plötzlich aus einer Ecke kommend Felipe entdeckte.

Erfreut vom seltenen Besuch auf seiner abgelegenen Kleinstfinca nahm er uns mit in seinen Kaffeehain, welcher gleich hinter dem letzten Haus beginnt. Ich versuchte ihm in seinem Gewohnten Tempo diesem unglaublich steilen Gelände zu folgen doch dauernd rutsche ich auf dem nassen Trampelpfad ab und ich habe ja nur eine Hand frei für einen letzten Rettungsgriff nach Stabilität weil ich in der anderen Hand mein Notizbuch nicht verlieren wollte

So notiere ich mir später, dass Felipe auf 0.25 Hektaren Land Kaffee der Varietät Caturra und auf weiteren 0.25 Hektaren 300 Bäumchen der Varietät Geisha setzte. Stolz erklärte er mir, dass die unwirkliche Kombination dieser Topografie und Feuchtigkeit ihm in drei Jahren, wenn er die ersten Früchte ernten kann, einen top Kaffee bescheren werde…

Grosses Angebot und doch ein leerer Warenkorb

In den folgenden Tagen versuchten wir noch weitere Produzenten zu besuchen, aber teilweise blieb es leider beim Versuch. Wie ich merke, wird hier viel weniger geplant, bzw. man kümmert sich nicht darum, was man geplant hat. Man nimmt jeden Tag gerade so, wie er gerade kommt. Mehrmals mussten wir Besuche in letzter Minute verschieben, dann war wieder mal eine Strasse zu. Oder einmal musste ich plötzlich in Panik vor einem Wildbienenschwarm davonrennen, weil ich beim Plaudern mit dem Bauern unglücklicherweise an einem Baum stütze, wo oben offenbar ein Bienennest war. Wenn wir dann wieder mal Glück hatten und tatsächlich bei einem Kaffee-Produzenten zu Besuch waren, der auch tatsächlich Kaffee gehabt hätte, war die Qualität nicht so hochstehend wie ich erhoffte oder kamen die bürokratischen Hürden hinzu, welche in Bolivien nicht zu unterschätzen sind. Mal fehlt hier ein Stempel, mal braucht es da plötzlich wieder ein Zertifikat… Die Beamten waren in dieser Hinsicht sehr kreativ.

Links: Dieses Pflänzchen wird mal ganz besonderen Kaffee tragen, den sogenannten Geisha-Kaffee. Unten rechts: Es muss nicht immer Kaffee sein – hier wachsen auch die Criollo-Cacao-Bohnen.

Ich merkte, dass ich wohl ohne Kaffee nach Hause reisen werde. Das war zwar eine ernüchternde Einsicht, doch ich freute mich auf die Heimreise denn zur Ernüchterung gesellte sich noch eine kleine Wunde an meinem Ellbogen, welche in diesem subtropischen Klima von Tag zu Tag besonders schnell anschwoll.

So war ich froh, konnte ich schon bald wieder nach Hause reisen. Im Schweizer Spital, nach der Ellbogenoperation, hatte ich dann viel Zeit, all die Erlebnisse und Erinnerungen zu verarbeiten.

Doch ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich die erste Tasse Geisha Kaffee von Felipe oder René in der Schweiz geniessen kann.